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ECSTASY AUS GERMANY
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Geboren am 24. Dezember 1912: MDMA Alias Ecstasy
„Es kann sein,
dass der Stoff [Ecstasy] extrem giftig ist, niemand weiß das. Ich kenne die chemische Struktur, das ist alles. Von der Wirkung weiß ich eigentlich nichts."

Alexander „Sasha“ Shulgin, Ziehvater von Ecstasy,
gegenüber dem Spiegel, Ausgabe 30/2001 ("Die Raver, die Dealer und ihr Pate")

Geschichte: Patentschrift Ecstasy
Vieles von dem, was heute aus illegalen Drogenlabors auf die Menschheit losgelassen wird, ist deutschem Forschungseifer im 19. Jahrhundert zuzuschreiben. Leider. Kokain beispielsweise ist von seiner chemischen Isolierung (1860) bis hin zu seiner synthetischen Herstellung (1902) eigentlich nichts anderes als eine in Deutschland patentierte Formel. Heroin ist ein patentiertes deutsches „Medikament“ aus dem Jahre 1898. Auch das Halluzinogen Meskalin (Halluzinogen = Droge, die Sinnestäuschungen hervorruft), der Wirkstoff des mexikanischen Peyote-Kaktus, wurde erstmals in Deutschland chemisch isoliert (1896).

Unter Kaiser Wilhelm II. (1888 – 1918) liefen die kaiserlichen Chemiker in Universitäten und Pharmakonzernen zur Höchstform auf. Sie hinterließen der Welt aber nicht nur viele nützliche Entdeckungen, sondern auch ein gigantisches Drogenerbe, das von Generation zu Generation immer mehr Gesichter zeigt.

Nach der Entdeckung des Amphetamin (1887) war auch der Weg zu seinen Ableitungen nicht mehr weit. MDMA soll bereits 1891 oder 1892 synthetisiert worden sein, und zwar von dem deutschen Chemiker Fritz Haber, dem Erfinder des Insektenvernichtungsmittels und Auschwitz-Todesgases Zyklon B. Belegt ist Habers oft behauptete Vaterschaft nicht wirklich. Falls es aber so war, dann war es jedenfalls ein passender Einstieg in dessen spätere Berufung: Haber entwickelte die tödlichen Nervengase Chlorgas, Senfgas und Phosgen, die auf sein Drängen hin und unter seiner persönlichen Aufsicht auf den Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs eingesetzt wurden und eine Million Verstümmelte und Tote hinterließen. Seine Frau nahm sich aus Abscheu über das chemische Gruselkabinett ihres Mannes das Leben. Es wäre in der Tat eine bitterböse Ironie der Geschichte, wenn ausgerechnet der Nervengasspezialist Haber auch der leibliche Vater des MDMA ist, einer Substanz, die sich zunehmend als potentes Nervengift entpuppt.

Sicher ist, dass die Darmstädter Pharma-Firma E. Merck 1912 bei der Herstellung eines blutstillenden Mittels auf die Verbindung MDMA stieß. Merck, heute ein Weltunternehmen, war bereits im 19. Jahrhundert führend in der Produktion und internationalen Vermarktung der „Medikamente“ Morphium (ab 1827) und Kokain (ab 1884), wobei man sich über deren Suchtpotential erst klar wurde, als es schon zu spät war. Für das zufällige Beiprodukt MDMA sah man keinerlei medizinischen Nutzen. Das Herstellungsverfahren wurde am 16. Mai 1914 rückwirkend zum 24. Dezember1912 patentiert, routinemäßig, aber ohne konkreten Verwendungszweck (laut Auskunft Merck erst recht nicht als Appetitzügler, wie oft zu lesen ist). Mitpatentiert wurde auch die Muttersubstanz MDA, die bereits 1910 von denselben Merck-Chemikern synthetisiert worden war, die später auf MDMA stießen (Carl Mannich und W. Jakobsohn).

Beide Wirkstoffe verschwanden sofort in der Versenkung. Auch später erneuerte Merck die Patente nicht ... .


ECSTASY AUS GERMANY
Wie aus dem Abfallprodukt MDMA die Partydroge Ecstasy wurde
“Dow Chemicals sagte: ´Mach, was du willst.'
Und ich machte, was ich wollte: psychedelische Drogen.“

Drogenguru Shulgin über seinen früheren Arbeitgeber, den Pharma-Konzern Dow Chemicals, September 2002, Interview im Magazin WIRED



„Das kann doch
nicht nicht wahr sein! Ich will nicht sterben!“

Joshua Robbins, April 2001, in den letzten Sekunden seines Lebens. Der siebzehnjährige Amerikaner hatte neben anderen psychoaktiven Stoffen MDMA geschluckt. Als er später etwa 35 Milligramm 2C-T-7 schnupfte („Tripstasy“), eine ebenfalls von Alexander Shulgin entwickelte Rauschdroge, starb er einen qualvollen Tod, den niemand mehr verhindern konnte.  

Langzeitfolgen, chronische Schäden, Risiken
40 Jahre blieb MDMA in Vergessenheit. In den frühen 50er Jahren des letzten Jahrhunderts tauchte es kurz auf, als die amerikanische Armee und der US-Geheimdienst CIA die Brauchbarkeit verschiedener psychoaktiver* Substanzen als Kampfstoffe oder als „Wahrheitsdroge“ testeten, darunter auch MDA (Code-Name EA-1298) und MDMA (Code-Name EA-1475). Obwohl man heute weiß, dass Menschen unter Ecstasy-Einfluss eine erstaunliche Auskunftsfreudigkeit über die eigene Person an den Tag legen, wurden beide Stoffe – offiziell – wieder zu den Akten gelegt. Pharma-Versuche mit MDA, die teilweise schon in den 40er Jahren begonnen hatten, führten zwischen 1958 und 1961 zu verschiedenen Patenten. Wegen der offensichtlichen Rauschwirkungen des MDA stellte die Pillenindustrie letztlich aber alle Versuche und geplanten Produkte ein. Trotzdem gelangte die Droge in den 60er Jahren begrenzt auf die Straße, vor allem in Kalifornien. Unter Hippies und Homosexuellen war MDA in den 60er und 70er Jahren als „the love drug“ bekannt, als „hug drug“ (to hug = umarmen, an sich drücken) und als Mellow Drug of America (mellow = sanft). Über die hochgradige Nervengiftigkeit des MDA wusste man damals noch nichts.

Ebenfalls in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts griff der amerikanische Chemiker Alexander Shulgin entscheidend in den Lauf der MDMA-Geschichte ein. Shulgin hatte 1960 von einem befreundeten Psychiater Meskalin erhalten und glaubte nach dessen Einnahme, seine wahre Berufung erkannt zu haben: Drogen-Erfinder. Populär wurde er unter anderem mit der von ihm entwickelten Rauschdroge DOM (auch bekannt als STP, „Super-LSD“), ein Halluzinogen, das um ein Vielfaches stärker und lebensbedrohlicher wirkt als Meskalin.

Auf der Suche nach der psychedelischen Super-Droge (psychedelisch = bewusstseinsverändernd) stieß Shulgin bereits 1965 auf MDMA, befasste sich aber nicht weiter damit. 1976 schließlich bekam er einen Tipp von Merrie Kleinman, einer von ihm betreuten Chemie-Studentin an der San Francisco State University, die ihm von einer Abwandlung des mittlerweile verbotenen MDA erzählte. Eine Woche später synthetisierte Shulgin MDMA erneut und erweckte die kaiserliche Droge am 12. September 1976 endgültig aus ihrem Dämmerschlaf.

Shulgin war nicht der einzige Chemiker, der in den 60er und 70er Jahren des letzten Jahrhunderts auf MDMA stieß. Aber er war der einzige, der sich als Ziehvater der von Geburt an verstoßenen Droge verstand und ihre Verbreitung unter dem Deckmantel der Wissenschaft förderte. 1977 gab er MDMA an einen befreundeten Psychotherapeuten weiter, Leo Zeff. Der frühere „LSD-Therapeut“ Zeff ging auf Vortragsreise und empfahl den damals noch nicht verbotenen Stoff an zahlreiche weitere Psychotherapeuten und Psychiater (laut Schätzungen etwa 4000), von denen immer mehr MDMA als neue „Therapie-Droge“ und wohl auch als willkommenen Ersatz für das mittlerweile verbotene LSD einsetzten. Zeff rief in jahrelanger Kleinarbeit ein riesiges Netzwerk ins Leben und machte damit den Weg für MDMA hinaus in die Partywelt frei: Wie vorher schon LSD und eine Reihe anderer Drogen geriet MDMA von der Psychiater-Couch endgültig auf die Straße. (Dort tauchte es zuerst als „Adam“ auf, eine von Leo Zeff geprägte Bezeichnung.)

Aber erst Mitte der 80er Jahre schwappte MDMA nach Europa über. Von der spanischen Mittelmeerinsel Ibiza aus, die 1986 auch als „XTC-Island“ (Ecstasy-Insel) bekannt war, fiel MDMA zuerst in England ein. (England und Irland liegen heute an der Spitze des europäischen Ecstasykonsums und werden weltweit nur noch von Australien geschlagen.) Vor allem die von England ausgehende Rave-Bewegung (Rave = Party oder Veranstaltung zu Techno-Musik) ebnete MDMA anfangs der 90er Jahre dann den Weg auf den europäischen Kontinent – und zurück zu den Stätten seiner Geburt.

MDMA, der ungeliebte und nutzlose Spross der kaiserlichen Pharmazie, hatte es mit viel Schminke und Tarnung doch noch geschafft: als Spaßdroge, die keinen Spaß versteht – und ihren Konsumenten den Spaß zwar langsam, aber dafür umso gründlicher verdirbt.

*als psychoaktiv werden Substanzen bezeichnet, die auf das Zentralnervensystem (Gehirn und Rückenmark) einwirken.


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