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Ecstasy, Drogen und die Rolle der Wissenschaft
„Die gesund-
heitlichen Risiken des Amphetamin-
konsums gehen primär auf die Giftigkeit der Substanzen selbst und nicht – wie oftmals angenommen –
auf toxische Syntheseverun-
reinigungen oder Verschnittstoffe zurück.“

Karl-Artur Kovar, Ecstasy-Forscher, Pharmazeutisches Institut der Uni Tübingen

Illegale Drogen
Ähnlich den Cannabis-Befürwortern unterhält auch die Ecstasy-Lobby diverse Internet-Sites im deutschsprachigen Raum, auf denen beunruhigten Konsumenten „wissenschaftlich“ erklärt wird, warum sie sich derzeit keine Sorgen machen müssen. Die Schädlichkeit von MDMA sei wissenschaftlich letztlich nicht bewiesen, Langzeitstudien würden fehlen, existierende Studien würden „methodische Schwächen“ aufweisen. Das mag alles richtig sein – und ist dennoch völlig falsch.
     Warum? Weil Wissenschaftler sämtliche anderen möglichen Ursachen für ein Phänomen und seine vermutete (Drogen-)Ursache ausschließen müssen, bevor ein Zusammenhang  als „wissenschaftlich unstreitig“ gilt. Und das ist in der Praxis meist unmöglich, selbst wenn alles für eine einzige bestimmte Ursache spricht. „Genau genommen kann in der Wissenschaft nichts jemals wirklich bewiesen werden“, konstatiert der Züricher Ecstasy-Forscher Alex Gamma das Dilemma seiner Zunft. Man könne nur die wahrscheinlicheren Ursachen aufzeigen.
     Selbst das begrenzt Mögliche dauert in der Drogenforschung niemals nur Jahre, sondern Jahrzehnte. Die Tatsache, dass MDMA-Konsumenten Löcher im Gehirn haben, stand schon vor vielen Jahren fest. Unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten heißt das allerdings gar nichts. Vielleicht waren diese Löcher schon vorher da. Vielleicht wurden sie durch den gleichzeitigen Konsum von Cannabis verursacht. Vielleicht sind sie auch die Folge von Corn Flakes zum Frühstück. Erst im neuen Jahrtausend gingen die Verursacher-Alternativen zu MDMA aus. Mittlerweile wird die Neurotoxizität des MDMA generell bejaht.
     Wenn Sie sich jemals gefragt haben, warum es zu jeder beliebigen Droge auch die dazu gehörigen Wissenschaftler – und Konsumenten – gibt, die auf dem Standpunkt stehen, dass bislang „nichts bewiesen“ sei, dann wissen Sie jetzt, warum das so ist. Aus dem gleichen Grund haben beispielsweise auch Tabakkonzerne wenig Mühe Forscher und wissenschaftliche Gutachter zu finden, die zwischen Kettenrauchen und Lungenkrebs „keinen belegten Zusammenhang“ sehen, selbst dann nicht, wenn sich die Zigaretten-Toten bis zur Decke stapeln.
     Ecstasy-Befürworter bemühen gern das Beispiel, wonach weniger brütende Störche und ein paralleler Rückgang der Geburten kein Beweis für einen ursächlichen Zusammenhang beider Größen sei. Und deshalb müsse auch die offensichtliche Wechselbeziehung zwischen Ecstasykonsum und Gedächtnisschwund nichts bedeuten. Bei MDMA geht es aber ersichtlich nicht um ein fiktives Verhältnis zwischen Störchen und Neugeburten, das von vornherein keinen Realitätsbezug aufweist, sondern um immer mehr Fuchsspuren um den Hühnerstall und immer weniger Hühner. Wer hier als Betroffener eine „Langzeitstudie“ braucht, um zu handeln, stellt sich selbst ein Armutszeugnis aus. Auch vor 5000 Jahren haben Menschen nicht auf den Beweis der Schwerkraft gewartet, nur um zu wissen, dass ein Sprung von der Klippe keine gute Idee ist.

Illegale Drogen
Die Geschichte der Drogenforschung hat Folgendes deutlich gezeigt: Wenn Wissenschaftler einen ursächlichen Zusammenhang zwischen einer psychoaktiven Substanz und ihren oft  unübersehbaren Folgen nicht endgültig beweisen können oder wollen, heißt das in aller Regel nur, dass es diesen ursächlichen Zusammenhang dennoch gibt. 50 Jahre Tabakforschung haben lediglich einen Zusammenhang zwischen Tabakkonsum und verschiedenen Folgeerkrankungen belegt, der die ganze Zeit über vorhanden war. Kokain wurde 40 Jahre lang in der Welt verstreut, bevor seine verheerende Suchtwirkung „ausreichend belegt“ war und ein Verbot erwirkt wurde. Zur Freude der kolumbianischen Drogenkartelle wurden viele dieser Studien in den 80er Jahren erneut wiederholt, um Konsumenten „wissenschaftlich gesicherte“ Informationen zu übermitteln. Die Beispiele dafür, dass die Wissenschaft der Drogenrealität Jahrzehnte und sogar Jahrhunderte hinterherhinkt, sind zahllos. Hinzu kommt, dass es praktisch keine psychoaktive Substanz gibt, die Wissenschaftler nicht zu irgendeinem Zeitpunkt als „harmlos“ freigaben, nur um zwei Generationen später ihren Irrtum einzugestehen.
     Sein gesundheitliches Schicksal also in die Hände von Forschern zu legen, die gar nicht die Möglichkeit einer schnellen und allzeit richtigen Antwort haben, ist ganz sicher nicht klug.
     Zudem lassen Drogen ihren Konsumenten regelmäßig nicht die Zeit, um vom Ergebnis solcher Studien wirklich zu profitieren. Wer fünf Jahre lang Ecstasy schluckt, dem nützt das Ergebnis einer Langzeitstudie, dass er das besser nicht hätte tun sollen, herzlich wenig.
     Fehlende Langzeitstudien gar als Beleg für die Ungefährlichkeit von Ecstasy anzuführen ist ungefähr so folgerichtig, wie wenn man aus dem Fehlen des Wetterberichts auf Sonnenschein schließen würde. Die Gleichung „nicht belegt = ungefährlich“ funktioniert ganz einfach nicht.
     Auch in der präventiven Drogenarbeit ist es wenig sinnvoll, nur „wissenschaftlich gesicherte“ Forschungsergebnisse zum Maß aller Dinge zu machen – außer, man will jahrelang zuschauen und diskutieren, statt zu handeln. Allemal vernünftiger ist es, begründete wissenschaftliche Warnungen (auch „unbewiesene“) ernst zu nehmen und zusammen mit seinen eigenen Beobachtungen zum Handlungsmaßstab zu machen.
     Beobachtungsgabe, die Fähigkeit Schlussfolgerungen zu ziehen, die Abwägung von Erfahrungswerten, Vernunft – das sind nur einige der Werkzeuge, die der Einzelne einsetzen kann, ohne auf wissenschaftliche Bestätigungen warten zu müssen, die vielleicht nie kommen werden.
„Nach Einschätzung von Wissenschaftlern zählen Amphetamin und seine Derivate zweifelsohne zu den so genannten harten Drogen!“ 

Karl-Artur Kovar,
Ecstasy-Forscher, Pharmazeutisches Institut der Uni Tübingen



„Ist es wirklich Ecstasy?“

„Du wähnst dich im Himmel, doch die Hölle ist nicht weit.“

Aus dem Erfahrungsbericht eines Ecstasy-Users
Illegale Drogen  
Eine als „Ecstasy“ angebotene Pille kann grundsätzlich alles enthalten – oder auch gar nichts („Placebos“). Jede beliebige Mischung verschiedener psychoaktiver Substanzen ist denkbar. In Deutschland sind solche Mixturen allerdings eher selten, wie beschlagnahmte Tabletten zeigen. Gewöhnlich spielen sich Beimischungen und Verschnittstoffe in einem Bereich ab, der dem MDMA-Konsumenten auch nicht wirklich fremd ist: Speed, LSD, Koffein, Kokain, Ephedrin (Wachmacher). In Einzelfällen tauchen auch Pillen mit beigemischten Rauschmitteln auf, die bereits in relativ geringer Dosis extreme oder lebensgefährliche Wirkungen haben können. Das Halluzinogen Atropin (Wirkstoff der Tollkirsche) oder die Amphetaminabkömmlinge PMA und PMMA fallen in diese Kategorie. Im Regelfall gilt aber, dass die Hersteller von Ecstasy-Pillen und ihre Verteilerorganisationen Geld verdienen wollen und kein Interesse daran haben, ihre Kundschaft sofort zu töten. Aus diesem Grund gehören auch Heroin (zu teuer) und Strychnin (im Rattengift enthalten, Tod durch Atemlähmung) nicht zum Beimischungsstandard, auch wenn das hier und da behauptet wird.
     Warnungen vor „gefährlichen Beimischungen“ in Ecstasy-Pillen, so legitim diese Warnungen auch scheinen mögen, sind in der Praxis nicht selten von einer absurden Logik geprägt. In aller Regel blenden sie die Tatsache, dass MDMA ja bereits der gefährliche Stoff ist, völlig aus. „Ist es wirklich Ecstasy?“ steht auf  einem bekannten Warn-Poster. Im Klartext: „Bist du dir wirklich sicher, dass es reines Gift ist und nicht irgendwie gestreckt? Dann kannst du es unbesorgt nehmen.“ Ziemlich genau so ist es gemeint. Dazu passt der Hinweis in einer „Aufklärungsschrift“, dass möglicherweise „nach wie vor Pillen im Umlauf sind, die gefährliche Substanzen enthalten!“ Was, muss man unwillkürlich fragen, enthält dann eine reine MDMA-Pille? Ein anderer Autor meint, dass „schlechte Qualität gesundheitliche Risiken“ berge. Und was birgt „gute Qualität“?
     Dass bei Warnungen dieser Art mehr Menschen im Ecstasy-Sumpf landen als ihm entkommen, braucht niemanden zu wundern. Schließlich ist genau das beabsichtigt.


Ecstasy und das Betäubungsmittelgesetz (BtMG)
„Ecstasy, genauer MDMA, und andere Vertreter der Amphetamin-
derivate sind nicht in das Betäubungs-mittelgesetz aufgenommen worden, um "einer Generation den Spaß am Feiern zu nehmen", sondern weil diese Stoffe gefährlich und nicht zur Anwendung am Menschen geeignet sind!“ 

Karl-Artur Kovar,
Ecstasy-Forscher, Pharmazeutisches Institut der Uni Tübingen

Ecstasy, Loveparade  
Das Betäubungsmittelgesetz (BtMG) regelt den Umgang mit Stoffen, die man umgangssprachlich als Drogen bezeichnen würde (Rauschwirkung, Betäubung der Sinne, potentiell Sucht erzeugend etc.). In Anlagen zu diesem Gesetz, das so oder ähnlich in vielen Ländern der Erde existiert, werden alle von diesem Gesetz erfassten chemischen Verbindungen mit Drogenwirkung aufgeführt und klassifiziert. Substanzen, denen auch ein medizinischer Nutzen zugesprochen wird, werden in die so genannte „Anlage III“ aufgenommen und können kontrolliert verschrieben oder von einem Arzt verabreicht werden. Beispiele hierfür sind Kodein (in Hustensäften) oder Mittel zur Betäubung eines Körperteils durch Arzt oder Zahnarzt. Morphium im Einsatz gegen ansonsten unerträgliche Schmerzen, beispielsweise bei Krebspatienten im Endstadium, fällt ebenfalls in diese Kategorie. Stoffe, die sowohl ein hohes Missbrauchspotential aufweisen als auch medizinisch nutzlos sind, werden den strengsten Kontrollen unterworfen. Sie sind „nicht verkehrsfähig“, wie das im Wortlaut des Gesetzes heißt. In der Bundesrepublik werden sie in der „Anlage I“ des BtMG aufgeführt (in den USA: Schedule I). Darunter fallen neben Cannabis, LSD, Meskalin, Psilocybin („Zauberpilze“) und Heroin auch alle Ecstasy-Formen, ohne Ausnahme. Es gibt einige Internet-Sites, auf denen MBDB als „nicht wirklich verboten“ beworben wird. Die Wahrheit ist: MBDB ist genauso verboten wie MDA (seit 1984), MDMA (seit 1986), MDE (seit 1991) und andere Ecstasy-Spielarten. Der Besitz ist strafbar, der gewerbsmäßige Handel ein Verbrechen. Unter der Voraussetzung der „geringen Menge“ und des „Eigenverbrauchs“ können Staatsanwaltschaften und Gerichte bei praktisch jeder Droge ein Auge zudrücken, auch bei Ecstasy. Dies gilt aber nur für so genannte Ersttäter. Ein Strafverfahren wegen Drogenbesitzes ist in jedem Fall eine Erfahrung, die man nicht machen muss
  
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