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TANZ MIT DEM TOD, Teil I
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Warum MDMA anders tötet als andere Drogen
„Die übliche
Party-Dosis eines Konsumenten kann die tödliche Dosis für jemand anderen sein.
Die einzige Möglichkeit, das eigene Limit herauszufinden, ist zu sterben.“

Dr. Steven B. Karch, Herz-Spezialist und Drogenexperte, aus: „The Pathology of Drug Abuse“ 

Sterberisiko, Todesfälle, tödliche Folgen
Bei Heroin sind es unsaubere Nadeln oder die Überdosis, die zum Tod führen können. Bei Ecstasy ist es die Substanz an sich, die auch bei "Normaldosis" zum totalen Zusammenbruch führen kann
MDMA-Konsumenten wird von interessierter Seite oft versichert, dass Ecstasy ein „kalkulierbares Risiko“ sei, wenn es um das eigene Leben geht. Kalkulierbar heißt berechenbar, in seinen Folgen abschätzbar. Wenn ein gesunder Erwachsener ein halbes Glas Wein trinkt, dann kann er zumindest darauf vertrauen, dass er nicht gleich tot umfällt. MDMA-Opfer dagegen sterben ohne jeden Bezug zu einer rechnerisch tödlichen Dosis. Jede beliebige „Normaldosis“ (unter 150 mg), so viel weiß man heute, kann verheerende Folgen haben.

Die individuellen Wirkungen des MDMA sind daher ungefähr so kalkulierbar wie ein Kampfhund auf einem Kindergeburtstag, nämlich überhaupt nicht. Der Ecstasy-Tod ist ein Überraschungstod, der weder von Konsumdauer noch von Menge abhängig ist und damit ein einmaliges Phänomen darstellt. Der Hamburger Ecstasy-Forscher Rainer Thomasius: „Bereits die erstmalige Einnahme einer einzigen Ecstasy-Tablette kann fatale, in sehr seltenen Fällen tödliche Folgen für den Konsumenten haben.“  

MDMA verrichtet die Schmutzarbeit gewöhnlich nicht allein – ein Umstand, der die Droge aber ebenso wenig entlastet wie den Anführer einer Bande von Totschlägern. Sobald MDMA auf bestimmte Umstände trifft, kann es im Bund mit diesen eine kritische oder tödliche Wirkung entfalten. Niemand weiß genau, was diese Faktoren in ihrer Gänze sind. Zu den wichtigsten bekannten Faktoren gehören:

 Jedes chronische körperliche Problem (z.B. Diabetes, Asthma, Bluthochdruck, Herzkreislaufstörungen) und jede Vorschädigung oder Schwäche eines Körperorgans, da MDMA alle wichtigen Organe angreift

 der Mischkonsum mit anderen Drogen, Medikamenten oder Alkohol (bei Ecstasykonsumenten die Regel), mit der Folge keinesfalls vorhersehbarer Abläufe im Körper

 alle Überhitzungsfaktoren. MDMA stört die Regulation der Körperwärme erheblich. In Verbindung mit überhitzten Räumen, stundenlangem Tanzen und wenig Flüssigkeitszufuhr (bei gleichzeitiger Unterdrückung des Durstempfindens) kann deshalb eine lebensgefährliche Überhitzung des Körpers eintreten (Hyperthermie), bis hin zum tödlichen Kollaps aller Organe. Umgekehrt kann eine unkontrolliert hohe (salzlose) Flüssigkeitszufuhr den durch Ausschwitzen bereits angeschlagenen Salzhaushalt des Körpers buchstäblich so „verwässern“, dass extreme Gesundheitsschäden die Folge sein können und in einer Reihe von Fällen auch waren (Krampfanfälle, Hirnschäden, Lähmungen, Tod).

Vermeidbar, theoretisch, sind nur die Überhitzungsfaktoren. Fortgesetzter MDMA-Konsum ist allen Untersuchungen zufolge geradezu untrennbar mit einem extrem hohen Drogen-Mischkonsum verknüpft. Und die Annahme, dass Ecstasy-Liebhaber ernsthaft am Zustand oder Schicksal ihrer Organe interessiert sein könnten, wird schon durch die Tatsache des Konsums widerlegt. Es überrascht daher nicht, dass die Zahl der Todesfälle, die mit Ecstasy in Verbindung stehen, auf dem höchsten Stand jemals ist.


TANZ MIT DEM TOD - Teil 2
Wie hoch ist das Risiko zu sterben?
„Die Hepatoxizität [Giftigkeit für Leberzellen] ist offenbar viel häufiger anzutreffen als gemeinhin erkennbar wird. Bei fast allen Todesfällen infolge des Konsums von MDMA oder MDEA wurden nachträglich auch Leberschäden nachgewiesen.“

Prof. Dr. med. Achim Schmoldt, Ecstasy-Forscher, Institut für Rechtsmedizin an der Universität Hamburg

Sterberisiko, Todesfälle, tödliche Folgen
Weit höher, als es Konsumenten gewöhnlich weisgemacht wird. Ecstasy-Promoter rechnen in Büchern und im Internet vor, dass das Todesrisiko für MDMA-Konsumenten  pro Jahr etwa im Bereich von 1 zu 100.000 liege und daher „relativ gering“ sei. Solche Risikoeinschätzungen, soweit sie nicht schlichtweg erfunden sind, kommen auf einfache Weise zustande: Sobald ein Todesfall neben Ecstasy noch andere psychoaktive Substanzen im Blut hat oder noch irgendwelche anderen Umstände eine Rolle spielen, wird er ganz einfach nicht mitgezählt und auch sonst nicht mehr in die Rechnung einbezogen. Diese Vorgehensweise ist natürlich ebenso heuchlerisch wie skrupellos, weil mit ihr das tatsächliche Risiko bewusst verschleiert wird. Genauso gut könnte man vorrechnen, dass das Risiko, mit Schwimmweste im winterlichen Nordatlantik zu ertrinken, gleich Null ist – und nicht dazu sagen, warum das so ist: weil man vorher erfriert.

Wie die „1 zu 100.000“-Milchmädchenrechnung in der Wirklichkeit aussieht, kann man am Beispiel Deutschland gut nachvollziehen: Bundesweiten Repräsentativumfragen zufolge hatten 2001 0,5% bis maximal 0,7% in der Altersgruppe der 12- bis 59-jährigen in den letzten 12 Monaten Ecstasy konsumiert. Bei einem Bevölkerungsanteil von 53 Millionen kann man von ca. 370.000 Konsumenten ausgehen, „Probierer“ inklusive. Laut Bundeskriminalamt entfallen auf diesen Personenkreis offiziell 43 Todesfälle in unmittelbarem Zusammenhang mit Ecstasykonsum (2001). Drei Viertel davon sind direkt durch Ecstasy und Mischkonsum bedingt, ein Viertel starb am Steuer oder durch Selbstmord. Diese Toten werden nicht dadurch weniger, dass man die schwarze MDMA-Weste weißwäscht (Originalargumente: „Er hatte Herzprobleme“, „Er hätte nur Wasser trinken müssen“, „Er hatte noch andere Drogen genommen“, „Es wäre vermeidbar gewesen“, „Man stirbt auch beim Tennisspielen“).

Die amtlichen Zahlen entsprechen einem tatsächlichen Todesrisiko von 1 zu 8600, sind aber noch weit entfernt von der Wahrheit. Bei Weitem nicht alle Todesfälle im Zusammenhang mit Partydrogen werden nämlich als solche identifiziert, und wenn, werden Drogenopfer nur zu 70% obduziert und noch weniger auf toxische (=giftige) Substanzen hin untersucht*. Wenn man unter diesen Vorzeichen die genannte Zahl der Todesfälle als doppelt so hoch ansetzt, bleibt man sicherlich noch unter der Norm der Dunkelziffer.

Die Realität der Ecstasy-Szene wartet aber noch mit einer weiteren Tatsache auf, die in den vorgeblichen Risiko-Analysen grundsätzlich unterschlagen wird: Auf jeden „Ecstasy-Toten“ kommt ein Todgeweihter, den nur der Notarzt oder der Operationssaal rettet. Einige Beispiele aus Großbritannien: Bei 18 Hyperthermie-Fällen (Überhitzung bis zum tödlichen Kollaps) konnten sieben Betroffene gerettet werden; in vier MDMA-bedingten Lebertransplantationen konnte nur einem Betroffenen das Leben gerettet werden, bei vier Fällen von Hirnblutungen dagegen waren die Ärzte dreimal erfolgreich; bei schweren Herzproblemen konnten fünf von zwölf Menschen gerettet werden.

Wenn man nur die genannten Faktoren zusammenrechnet – es gibt durchaus weitere – dann sieht es unter dem Schlussstrich wie folgt aus: Mindestens einer von 2800 Konsumenten wird pro Jahr einmal mit dem Tod tanzen, selbst wenn er, dank Ärzten oder Freunden, letztlich überlebt. Und das schließt die weniger schweren Notfälle nicht mit ein.  

*Deutsche Beobachtungsstelle für Drogen und Drogenkonsum, Jahresbericht vom 18.12.2002


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